Quelle: Pressemitteilung der Zeugen Jehovas (AfÖ), 25. Mai 2001

Der Widerstand der Zeugen als pädagogisches Vorbild?
Begleitprogramm zur Sonderausstellung "Geistiger Widerstand aus christlicher Überzeugung"

Kann der Widerstand der Zeugen Jehovas gegen das NS-Regime als Vorbild und Leitbild für Widerstand gegen totalitäre Regime herangezogen werden? Oder können die Motive, die der Verweigerung und der Regimegegnerschaft der Zeugen Jehovas zu Grunde lagen, nur aus ihrem Glaubensgebäude hergeleitet und verstanden werden?

Diesen Fragen widmet sich am 30. Mai eine Podiumsdiskussion in der Gedenkstätte Bullenhuser Damm. Als Teilnehmer diskutieren Dr. Detlef Garbe, Leiter der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, Wolfram Slupina, leitender Mitarbeiter in der Öffentlichkeitsarbeit der Zeugen Jehovas in Deutschland und Dr. Horst Gloy, ehemaliger Leiter des Pädagogisch-Theologischen Instituts der Nordelbischen Kirche. Die Veranstaltung moderiert Dr. Matthias Heyl von der Hamburger Forschungsstelle Erziehung nach/über Auschwitz.

Nach Auffassung von Detlef Garbe kann die couragierte Haltung der Zeugen Jehovas während der NS-Zeit zwar Respekt und Würdigung für sich beanspruchen, als Leitbild in einer demokratisch verfassten Gesellschaft eignet sie sich jedoch nur bedingt. Seiner Auffassung nach stritten die Zeugen Jehovas im Konflikt mit dem Nazi-Regime für ihre eigene Glaubensfreiheit, aber eben nicht für die Freiheit aller. Ihr Handlungsmotiv sei Glaubensgehorsam gewesen und nicht die Wiedererlangung der Demokratie.

Deshalb könne der Widerstand der Zeugen Jehovas der demokratischen Gesellschaft nicht als pädagogisches Vorbild dienen.

Eine andere Position vertritt Wolfram Slupina. Für ihn kann der Widerstand der Zeugen Jehovas durchaus als Vorbild auch für Nicht-Glaubensangehörige gelten. Deshalb empfiehlt er als Vertreter der Zeugen Jehovas die Einbeziehung ihres Beispiels in den Schulunterricht über den Holocaust und die Zeit des Nationalsozialismus, was von den Schulverwaltungen zumeist entschieden abgelehnt wird. Die Diskussionsveranstaltung soll der Klärung der Positionen dienen.

Die Podiumsdiskussion findet im Rahmen der Sonderausstellung "Geistiger Widerstand aus christlicher Überzeugung - Jehovas Zeugen in Norddeutschland 1933-45³ statt, die bis 17. Juni in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme zu sehen ist.

Die Sonderausstellung wird von einer Reihe weiterer Veranstaltungen zum Thema begleitet. Das detaillierte Veranstaltungsprogramm findet sich im Internet: http://www.hamburg.de/Neuengamme/veranstaltungen.html
(und auch hier auf standhaft.org)

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