Unter Hitler und Ulbricht inhaftiert
Diepgen: Auf das Anderssein der Zeugen Jehovas reagieren totalitäre Staaten mit Folter und Mord. Neue Ausstellung bietet "Chance zur historischen Wahrheit und Gerechtigkeit".

BERLIN. - Die Ausstellung zum DDR-System in der ehemaligen Zentrale der Staatssicherheit ("Stasi") in Berlin-Lichtenberg hat seit Donnerstag eine bedeutende Erweiterung: Eine Dauerausstellung gibt nun mit Fotos, Dokumenten und Erfahrungsberichten einen Überblick über 40 Jahre Verbot und Unterdrückung der Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas durch die SED-Diktatur. Zur feierlichen Eröffnung, an der Vertreter von wissenschaftlichen Institutionen, Gedenkstätten und Behörden sowie Zeitzeugen teilnahmen, sandte der Regierende Bürgermeister von Berlin, Eberhard Diepgen, folgende Grußbotschaft: 

"Von Benachteiligungen und Diskriminierungen bis zu Folter und Mord reichen die Reaktionen totalitärer Staaten auf das Anderssein der Zeugen Jehovas. Die Eröffnung einer Dauerausstellung in der Forschungs- und Gedenkstätte Normannenstraße gibt nun auch dieser Opfergruppe die Möglichkeit, ihre Verfolgung unter kommunistischer Herrschaft angemessen darzustellen. Ich sehe darin nicht nur ein wichtiges Stück wissenschaftlicher Geschichtsbewältigung, sondern auch die Chance zur historischen Wahrheit und Gerechtigkeit." 

Über 5 000 Zeugen Jehovas wurden wegen ihres Glaubens in den berüchtigten ostdeutschen Haftanstalten und Arbeitslagern festgehalten. Mindestens 250 der zumeist in den 50er Jahren in der DDR eingesperrten Zeugen Jehovas litten wegen ihres nonkonformen Verhaltens bereits in Zuchthäusern und Konzentrationslagern der Nationalsozialisten.

Zu den unter Hitler und Ulbricht Inhaftierten gehört Lothar Hörnig (71), der am Donnerstag über Stationen seiner "Doppelverfolgung" berichtete. Das Oberste Gericht der DDR verurteilte den damals 22jährigen wegen angeblicher Boykott- und Kriegshetze sowie der Spionage zu 15 Jahren Zuchthaus. Fünfeinhalb Jahre verbüßte er davon in Einzelhaft - doch er blickt heute ohne Groll zurück und hat den DDR-Richtern vergeben. 

Die Religionsgemeinschaft "Jehovas Zeugen", die von zwei deutschen Diktaturen systematisch unterdrückt wurde, hat damit begonnen, ihre Verfolgungsgeschichte in der DDR zu erforschen. Johannes S. Wrobel (45), Leiter des Geschichtsarchivs der Zeugen Jehovas, erklärte: 

"Mit dieser Präsentation erster Forschungsergebnisse wollen wir - auch in Anlehnung an den Arbeitsauftrag der Enquete-Kommission ,Überwindung der Folgen der SED-Diktatur im Prozess der deutschen Einheit' - die ,Erinnerung an die Opfer von Unrecht und Gewalt, an Widerstand und Mut in den Diktaturen' im öffentlichen Bewusstsein wach halten."

Öffnungszeiten der Ausstellung:

Dienstag bis Freitag
Samstag und Sonntag
11.00-18.00 Uhr
14.00-18.00 Uhr

Dauerausstellung in der Forschungs- und Gedenkstätte Normannenstraße
Ruschestraße 103, Haus 1, 10365 Berlin

Führungen bitte telefonisch (0 30/5 53 68 54) oder im Sekretariat der Gedenkstätte anmelden.

Zur Gedenkstätte:
U-Bahn-Linie 5, U-Bahnhof Magdalenenstraße, Ausgang Ruschestraße

Quelle:

Wachtturm-Gesellschaft, Selters/Taunus.
Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit

Siehe auch:

Jehovas Zeugen - Unsere Geschichte in der DDR
Informationen zu dieser Ausstellung auf der offiziellen Seite der Jehovas Zeugen und Downloadmöglichkeit der Broschüre dieser Ausstellung im PDF-Format.

Broschüre zur Ausstellung kann als PDF-Dokument downgeloadet werden. (siehe auch)
 

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