Richard Rudolph

Richard Rudolph wurde im Jahre 1911 in Rothenbach Kreis Waldenburg in Schlesien geboren. Bereits in seiner Kinder- und Jugendzeit war er an religiösen Dingen interessiert. Obwohl Richard Rudolph vieles untersucht und geprüft hatte, war er innerlich nicht befriedigt, da er festgestellt hatte, dass keine bisher untersuchte Religion seine wahren Bedürfnisse stillte. Richard Rudolph sagte: "So fühlte ich mich veranlasst zu beten, wie ich bis dahin noch nie getan hatte. ‚Lieber Gott, wenn du überhaupt vorhanden bist, so lass mich deine Wahrheit erkennen.‘"  Das war im Jahre 1930. Kurz danach kam er mit den Bibelforschern in Berührung. Doch es dauerte nicht lange, bis nach Hitlers Machtübernahme die Tätigkeit der Bibelforscher oder Zeugen Jehovas, wie sie jetzt genannt wurden, verboten war. Im Juni 1936 wurde er verhaftet und zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, von denen er die meiste Zeit in Einzelhaft im Gefängnis Breslau-Kletschgau verbrachte. Bei seiner Entlassung am 31.12.1938 nahmen ihn am Gefängnistor 2 Gestapoleute in Empfang und brachten ihn zunächst zum Polizeipräsidium. Von dort aus ging es in das KZ Sachsenhausen. Dort wurde er Augenzeuge der Hinrichtung von August Dickmann. Er erlebte auch den großsprecherischen KZ-Kommandanten "Vierkant" Baranowski und seinen Spott, aber er durfte auch dessen jämmerliches Ende miterleben. Von Sachsenhausen wurde er dann in das KZ Neuengamme gebracht, wo die schweren Leiden weitergingen. Im Jahre 1944 wurde er dann nach Watenstett-Salzgitter gebracht, wo er der einzige Zeuge Jehovas unter 4.000 Häftlingen war.

Durch die herannahende Front im Jahre 1945 kam jetzt auch die Freiheit für Richard Rudolph.

Sofort setzte er seine missionarische Arbeit in der SBZ und der späteren DDR fort. Das führte unweigerlich zu einer erneuten Inhaftierung und zu 15 Jahren Zuchthaus in der DDR. Die Strafanstalten in Torgau, Dresden, Halle und Waldheim waren erneute Stationen bitteren Leides für Richard Rudolph.

Nach seiner Freilassung ging Richard Rudolph in den Westen Deutschlands. Heute ist er mit der örtlichen Gemeinde der Zeugen Jehovas in Meersburg am Bodensee verbunden.

Quelle:

Regionaler Informationsdienst der Zeugen Jehovas in Sachsen;
Pressemappe zur Ausstellung "Standhaft trotz Verfolgung"

Literaturhinweise:

Garbe, Detlef,
"Zwischen Widerstand und Martyrium. Die Zeugen Jehovas im "Dritten Reich" (Studien zur Zeitgeschichte Band 42)",
R. Oldenbourg Verlag, München, 3.Auflage, 1997, Seite 7, 408, 423, 444f 458;

Krug, Stefanie - Poppenberg, Fritz,
Fürchtet euch nicht - Verfolgung und Widerstand der Zeugen Jehovas unter dem Nazi-Regime.
Filmdokumentation, 92 Minuten, Farbe, Drei Linden Media, Berlin, 1997.

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