Dienstag, 27. März 1999
Kurhaus am Titisee
Grußwort Erwin Teufel
(Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg)

Zu der Abendveranstaltung der Zeugen Jehovas im Kurhaus am Titisee am 27. März 1999 übermittle ich herzliche Grüße.

Wir stehen auch heute noch, nach weit über 50 Jahren, fassungslos und beschämt vor der Barbarei, die vom nationalsozialistischen Deutschland ausging. Nicht zu begreifen sind die Greueltaten an Millionen von Juden, an Sinti und Roma, behinderten Menschen, Homosexuellen und politisch wie religiös Andersdenkenden.

Zu den Opfern des NS-Regimes gehörten auch die Zeugen Jehovas. Sie wurden in menschenverachtender Weise verfolgt und diskriminiert wegen ihres Glaubens, der die Gewaltfreiheit beinhaltet. Tausende wurden in Konzentrationslager und Gefängnisse eingewiesen. Fast zweitausend bezahlten ihre Glaubenstreue mit dem Leben.

Bei ihrer Zusammenkunft im Kurhaus am Titisee erinnern die Zeugen Jehovas an die tragischen Ereignisse des Dritten Reiches. Wir müssen die Leidens- und Irrwege von damals im Bewusstsein lebendig halten. Denn sich zu erinnern, bedeutet Lehren zu ziehen und dazu beizutragen, dass niemals wieder auf deutschem Boden Menschen verfolgt werden wegen ihrer Rasse, ihrer Religion oder ihrer Art zu leben. In der Erinnerung steckt zugleich die Mahnung, rücksichtsvoll, tolerant und in gegenseitigem Respekt vor der Überzeugung des anderen miteinander umzugehen.

Ich wünsche allen Besuchern viel Kraft beim Blick in die traurige Vergangenheit. Mögen von der Veranstaltung zugleich Impulse ausgehen, die in eine gute und friedliche Zukunft weisen.

 

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