Sandra Nattland, André Geist
Die »Ernsten Bibelforscher« im Nationalsozialismus
Motivation und Formen des Widerstehens

Die Studie leistet einen bemerkenswerten Beitrag gegen das Vergessen von Opfern des NS-Regimes und dokumentiert erneut, dass nach den Juden die "Ernsten Bibelforscher" der härtesten Verfolgung ausgesetzt waren. Aber aus welchen Motiven und für welches Ziel leisteten die "Bibelforscher" Widerstand? War es politischer Widerstand? War ihr Widerstand rein religiös motiviert? Die Erarbeitung einer Antwort auf diese Fragen ist das Kernstück der Studie. Dazu nehmen die Autoren die Formen des Widerstehens, die zu Konfliktpunkten mit dem NS-Regime wurden, im einzelnen unter die Lupe, zum Beispiel die Verweigerung des Hitler-Grußes und es Wehrdienstes, die Wahlenthaltung, ihr Nichtbeitritt zu NS-Organisationen oder Selbstbehauptung von Kindern aus Bibelforscherfamilien in Schule und Heim.

Aussagen von knapp einem Dutzend Zeitzeugen aus dem Ruhrgebiet wurden ausgewertet. Den beiden Autoren gelingt es, einen Einblick in die besondere Konfliktsituationen der Verfolgten, in ihre Gewissenskämpfe, aber auch ihre Glaubensstärke zu vermitteln. Die vielfältigen, ganz individuellen Reaktionsweisen der Betroffenen nach dem Verbot der Religionsgemeinschaft belegen, dass sie aus persönlicher Überzeugung handelten und keinesfalls kollektiv "ins Martyrium getrieben" wurden. Auszüge aus Briefen, Tagebüchern und Gerichtsprotokollen sprechen dazu eine deutliche Sprache.

Das Fazit: Durch ihren kompromisslosen, defensiven und pazifistischen, aber gänzlich unpolitischen Widerstand gegen die NS-Diktatur haben sie einen Sieg für das Menschenrecht der "Religionsfreiheit" errungen.
(Quelle: Klappentext)

 


Mindt, Bielefeld
ISBN 3-00-005799-4
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