Hans Hesse, Jürgen Harder
"Und wenn ich lebenslang in einem KZ bleiben müsste ... "
Die Zeuginnen Jehovas in den Frauenkonzentrationslagern Moringen, Lichtenburg und Ravensbrück

Als die Zeugin Jehovas Maria Chrupalla in dem Frauen-KZ Moringen, dem ersten Frauen-KZ, vom Direktor Hugo Krack anläßlich eines Haftprüfungstermins, der alle drei Monate stattfand, nach ihrer Einstellung befragt wurde, berichtete er über den Verlauf des Gesprächs: “Chrupalla ist seit dem 11. Januar 1935 im hiesigen Konzentrationslager untergebracht. Sie gehört zu den Internationalen Bibelforschern und ist ganz besonders fanatisch. So habe ich sie vor einiger Zeit isolieren müssen, da sie versucht hat, bei anderen Lagerinsassen für ihre Ideen Propaganda zu machen. Auch verweigert sie den vorgeschriebenen Deutschen Gruß. Sonst führt sie sich gut und führt die ihr aufgegebenen Arbeiten aus. Sie hat mir erklärt, daß sie, selbst wenn sie lebenslang im Konzentrationslager bleiben müsse, niemals ihre Ideen aufgeben zu (sic) wollen.”

Über 1000 Zeuginnen Jehovas wurden in der Zeit von 1933 bis 1945 in den Konzentrationslagern gefangengehalten. Das sind ca. 50% aller KZ-inhaftierten Zeugen Jehovas insgesamt. Das Buch beschreibt den Leidensweg dieser Häftlingsgruppe, die mit dem Lila Winkel stigmatisiert wurde, durch die drei Frauenkonzentrationslager Moringen, Lichtenburg und Ravensbrück.

Hierbei gibt es eine Besonderheit: in allen drei Konzentrationslagern stellten sie mit ca. 40% aller Frauen die größte Gruppe (in dem FKL Ravensbrück bis zum Kriegsausbruch 1939). Ein Vergleich: in den `Männer´-KZ stellten die “Bibelforscher” ca. 5-7% aller Häftlinge. In der Vorkriegszeit waren sie somit die größte verfolgte Gruppe unter den Frauen. Bis heute ist diese Tatsache nahezu unbekannt. Grund genug eigentlich, um sich mit dieser Gruppe zu befassen. Mit dem Buch soll diese Lücke geschlossen werden.

Das Buch gliedert sich in drei Teile: in einem ersten Abschnitt wird die Geschichte diese Häftlingsgruppe in den drei KZ nachgezeichnet; im zweiten Abschnitt finden sich eine Reihe von Gedichten, die Zeuginnen jehovas in den KZ verfaßten; der dritte Teil stellt sieben ausgewählte Biographien vor. Eine davon, die von Maria und Paul Chrupalla, ist schon jetzt vorab einzusehen.

Ergänzt wird dieser Band durch 121 zum Teil unveröffentlichte Dokumente und Fotos.

siehe auch:

Inhaltsverzeichnis

Namensregister

Zeuginnen Jehovas in Frauen-KZ der Nazis
Rezension in der Wiener Zeitung, 16. Juli 2001

www.Hans-Hesse.de
persönliche Homepage des Historikers Hans Hesse. Neben seinen Aufsätze und Vorträgen sind Informationen zu folgenden Themen zu finden: Konzentrationslager Moringen, Jehovas Zeugen unter dem NS Regime, Sinti und Roma ...

 


Klartext Verlag, Essen
474 Seiten, 42 DM
ISBN 3-88474-935-8
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