Begleitheft zur Ausstellung
Die vergessenen Opfer der NS-Zeit
Standhaft trotz Verfolgung

Diese Broschüre erzählt die leidvolle Geschichte der "Bibelforscher", wie Zeugen Jehovas während des Nationalsozialismus zumeist genannt wurden. Sie gibt Einblicke in die Hintergrunde der brutalen Verfolgung dieser Opfergruppe und konfrontiert den Leser mit einigen erschütternden menschlichen Schicksalen.

Es handelt sich bei dieser Broschüre um die Dokumentation einer Wanderausstellung mit dem Titel "Die vergessene Opfer der NS-Zeit", die im Gedenkjahr 1998 - 60 Jahre nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Österreich - in mehr als siebzig Städten in einer nachgebauten KZ-Baracke gezeigt wurde. Der Erfolg dieser Initiative hat die Erwartungen der Veranstalter bei weiten übertroffen. In einem Jahr wurden mehr als hunderttausend Menschen mit der Geschichte dieser Glaubensgemeinschaft vertraut gemacht. Viele bestätigen nichts darüber gewusst zu haben, und dies, obschon Jehovas Zeugen zusammen mit der jüdischen Opfergruppe zu den ersten zählten, die von diesem menschenverachtenden System verfolgt wurden.

Ziel dieser Ausstellung und somit auch der vorliegenden Dokumentation ist es darüber zu informieren, dass sich Jehovas Zeugen die einzige Glaubensgemeinschaft war, die sich geschlossen dem Nationalsozialismus verweigerte. Sie stellte in den Konzentrationslagern sogar eine eigene Häftlingsgruppe dar, die mit einem "lila Winkel" stigmatisiert wurde.

Ein weiteres Ziel ist es, jeden einzelnen und vor allem die junge Generation zur Beantwortung jener Fragen anzuregen, die diese Zeit der Geschichte aufwirft. Wäre ich jemals bereit gewesen, eine nonkonformistische Haltung einzunehmen? Hätte ich mich dieser Ideologie verweigert? Wie reagiere ich auf Gruppenzwang oder Intoleranz? Wäre ich meiner persönlichen Überzeugung treu geblieben? Wäre ich auch bereit gewesen, die Folgen zu tragen, selbst wenn es den Tod bedeutet hätte? Wie ist es heute um die hohen Werte der menschlichen Gesellschaft wie gegenseitige Toleranz, Gewissensfreiheit und Religionsfreiheit bestellt? Kann es sein, dass nationale Gesetze hinter höhere Werte zurücktreten müssen? Was gebietet mir in diesem Zusammenhang mein Gewissen und die Menschlichkeit?

Das Schicksal jeder einzelnen Opfergruppe beantwortet diese Fragen aus einer bestimmten Blickrichtung und beleuchtet jeweils andere wesentliche Facetten. Das Beispiel der Zeugen Jehovas unter der Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus zeugt vom Triumph des menschlichen Geistes über geschickt geschürte Vorurteile, verhetzende Propaganda und brutalste Verfolgung.

Diese Dokumentation ist kein Ruf nach Rache oder Vergeltung, sondern vielmehr ein wesentlicher Beitrag zur Erinnerung und zum Gedenken. Denn "wenn man sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist man verurteilt, sie zu wiederholen" wie der amerikanische Philosoph George Santayana schrieb. In diesem Sinn darf auch die Geschichte der Zeugen Jehovas nicht vergessen und verschwiegen werden.
(Quelle: Einführungstext der Broschüre)

 


Jehovas Zeugen, Österreich, Staatlich eingetragene religiöse Bekenntnisgemeinschaft
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