Hubert Roser (Herausgeber)
Vergessene Opfer
Die Zeugen Jehovas, der Nationalsozialismus und die Schweiz

Die christliche Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas zählt zu den vergessenen Opfern der NS-Diktatur. Weil sich ihre Mitglieder mehrheitlich dem totalitären Zugriff widersetzten, verfolgte sie das NS-Regime mit unnachgiebiger Härte. Aus christlicher Überzeugung verweigerten sie den Hitlergruss, die Mitgliedschaft in NS-Verbänden und die Teilnahme an Wahlen. Als einzige Glaubensgemeinschaft im Zweiten Weltkrieg praktizierten sie in ihrer Gesamtheit die Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen. Für ihre couragierte Haltung nahmen sie berufliche Nachteile, jahrelange Verfolgung, Gefängnis und Konzentrationslager in Kauf. Über 1500 Zeugen Jehovas allein in Deutschland bezahlten ihre Standhaftigkeit mit dem Leben. 

Kaum bekannt ist, dass das Schweizer Büro der Zeugen Jehovas im Kampf gegen die Nationalsozialisten europaweit eine zentrale Rolle spielte. Im «Bibelhaus» in Bern liefen die Fäden des Widerstands zusammen. Hier wurden – trotz teilweise massiven Drucks durch Schweizer Behörden – die illegalen Netzwerke und der ausgedehnte Schriftenschmuggel koordiniert, mannigfache Hilfe für die bedrängten Glaubensanhänger in den Diktaturstaaten geleistet und Flüchtlinge aufgenommen. Im Frühjahr 1999 setzte sich – erstmalig in der Schweiz – eine Ausstellung in St. Gallen umfassend mit dem Thema auseinander. Der von Hubert Roser, einem ausgewiesenen Kenner der Materie, herausgegebene Sammelband dokumentiert das umfangreiche Begleitprogramm Ausstellung. Das gut recherchierte und reich bebilderte Buch präsentiert bewegende Einzelschicksale wie neueste Forschungsergebnisse.
(Quelle: Verlagsbroschüre)

Mit Beiträgen von:

Alfred Altwein ( OK Ausstellung «Vergessene Opfer»), Der Luzerner Kongress der Zeugen Jehovas 1936

Walther Gaemperle (kath. Hochschulseelsorger St. Gallen), Vergessene oder verdrängte Opfer des Nationalsozialismus?

Sybil Milton (Vizepräsidentin der Bergier-Kommission Schweiz †), Der Ort der Zeugen Jehovas in der Geschichte des Holocaust

Hubert Roser (Historiker und Buchautor), Konstanz als Drehscheibe des illegalen Druckschriftenschmuggels

Max Wörnhard (Gymnasiallehrer und Univ.-Dozent), Gratwanderung der Neutralität – Jehovas Zeugen und der Militärdienst in der Schweiz 1939–1945

Harald Walser (Historiker) und Esther Martinet ( OK Ausstellung «Vergessene Opfer»), Grenzüberschreitende Kontakte – Vorarlberg und die Ostschweiz

Dieter Zehentmayer ( OK Ausstellung «Vergessene Opfer»), Empfindungsbilder zwischen Tod und Leben

Ernst Ziegler (Stadtarchivar St. Gallen), Die Zeugen Jehovas in St. Gallen und der Schweiz 1933–1945

 siehe auch:

Widerstand als Bekenntnis
Informationen zu einem weiterem Buch von Hubert Roser

 


Appenzeller Verlag
ISBN 3-85882-316-3
300 Seiten, illustriert, gebunden
DM 51,-

Erscheint im Februar 2001

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